Grundlagen für TAF/TAP TSI: Die DB Netz muss aktiv werden

Nachdem die Europäische Kommission im Mai 2011 eine Verordnung für „Telematikanwendungen für den Personenverkehr“ (454/2011 TAP TSI) erlassen hat, legte sie heute das Pendant für den Schienengüterverkehr nach (vgl. 1305/2014 TAF TSI). Die beiden Verordnungen bilden die rechtliche Grundlage für die Digitalisierung und Harmonisierung des nationalen und europäischen Zugbetriebs. Die verstärkte Integration innerhalb der EU in den Bereichen Wirtschaft, Transport- und Verkehrswesen erfordert die verstärkte Implementierung einheitlicher Standards. Dies gilt auch für den Zug- und Schienenbetrieb, der künftig nach einheitlichen europäischen Regeln ablaufen soll.

Die Verordnung, die den Schienengüterverkehr betrifft, zielt darauf ab, von einem „fragmentierten nationalen Ansatz zu einem nahtlosen Informationsaustausch im gesamten europäischen Eisenbahnsystem zu gelangen“ (Verordnung (EU) Nr 1305/2014, S. 1). Damit ist eine einheitliche Kommunikation zwischen EVU und EIU in der EU gemeint: ein einheitlicher Informationsaustausch zu befahrenen Strecken, im Betrieb befindlichen Fahrzeugen und deren Ladung sowie eine einheitliche und digitale Planung und Steuerung des Zugverkehrs. Die Verordnung betrifft dabei alle Schienennetze in der Europäischen Union (vgl. ebd. Art. 2).

Umgesetzt werden soll dies durch neue technische Anwendungsmöglichkeiten im Bereich des Datenaustausches, namentlich TAF TAP TSI, was für „Technische Spezifikation für Interoperabilität in Bezug auf Telematikanwendungen für Güterverkehr/Fahrgastdienste“ steht. Kurzgefasst: die Möglichkeit, Daten aus verschiedenen Informationssystemen zentral und einheitlich auszutauschen.

Von der Verordnung betroffen sind alle EVU, EIU und Wagenhalter in den Hoheitsgebieten der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (vgl. ebd. Art. 5). Dies bedeutet, dass an die betroffenen Akteure ebenfalls technische und organisatorische Anforderungen gestellt werden. Dazu gehört der Anschluss an eine Schnittstelle, Datenaustausch oder die Versendung tagesaktueller Ist-Zugdaten.

Die Umsetzung der Verordnung, bezogen auf den Bereich des Schienengüterverkehrs, definiert dabei u. a. zukünftig folgende Funktionen:

  • Verfolgung der Güter und Züge in Echtzeit,
  • Rangier- und Zugbildungssysteme,
  • Buchungssysteme (Buchung von Zugtrassen) und
  • Schnittstellen zu anderen Verkehrsträgern (vgl. „In der TSI behandelte Funktionen: EU-Verordnung: 1305/2014 TAF TSI).

Das bedeutet, dass die bestehende Hard- und Software durch weitere Anwendungen ergänzt wird. Dadurch müssen neue IT-Systeme aufgebaut und miteinander vernetzt werden, was gerade kleinere EVU vor hohe technische Hürden stellen könnte (vgl. „Berufliche Qualifikationen“: EU-Verordnung  1305/2014 TAF TSI).

Um die Umsetzung der Verordnung zu begleiten, gibt es auf europäischer Ebene die sogenannte Joint Sector Group. In Deutschland ist dieser der National Contact Point. Im Auftrag des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) operiert er als Interessenvertretung, Informationsschnittstelle sowie Unterstützung bei der Umsetzung. Die Umsetzung der technischen Anwendungen und Vorgaben erfolgt seitens der DB Netz AG im Projekt PRISMA.

Weitere News zu TAF/TAP TSI


  • PRISMA-Inbetriebnahme auf Februar/März 2025 verschoben

    Die DB InfraGO übernimmt nach ihrer Gründung offenbar die „Strategie“ der DB Netz und verschiebt erneut die Einführung der PRISMA-Systeme von September 2024 auf Februar oder März 2025. Gerade in Zeiten knapper Kapazitäten ist es nur schwer verständlich, warum dieses Projekt nicht mit Höchstgeschwindigkeit vorangetrieben wird.

    Weiterlesen

  • Erneute Verschiebung: PRISMA-Inbetriebnahme nun im September 2024

    Drei Monate, nachdem die DB Netz AG die Verschiebung ohne alternativen Termin ankündigte, wird ein neuer Zeitplan für die Inbetriebnahme von PRISMA und TAF/TAP TSI Phase 1 vorgestellt. September 2024 ist der neue Termin.

    Weiterlesen

  • Ankündigung PRISMA: Weitere Verschiebung auf „Unbekannt“

    Die geplante Inbetriebnahme von PRISMA im September 2023 muss erneut verschoben werden – dieses Mal ohne ein neues Datum zu nennen. Die Einführung eines standardisierten Prozesses wird folglich nicht vor Dezember 2025 möglich sein.

    Weiterlesen

  • Ankündigung: Verschiebung der Einführung von PRISMA

    Die DB InfraGO hat bekanntgegeben, dass sie bis Ende 2025 138 Kleine und Mittlere Maßnahmen in Betrieb nehmen werden. Das sind zwei Projekte weniger als in den eigenen Zielen angekündigt.

    Weiterlesen

  • Ankündigung: Verschiebung von TAF/TAP TSI um zwei Jahre

    Die DB Netz AG kündigt an, die für das Fahrplanjahr 2024 anberaumte Inbetriebnahme von TAF/TAP TSI auf das Jahr 2026 zu verschieben. Eine Einführung der Übermittlung von Ist-Zugdaten ist aber weiterhin für September 2022 geplant.

    Weiterlesen

  • Kund:innenveranstaltung der DB Netz zur Umsetzung und Einführung

    Die DB Netz AG informiert am 22. Juli 2019 ihren über den konkreten zeitlichen Ablauf der Einführung der einzelnen Applikationen von TAF/TAP TSI, die unter dem Namen „PRISMA“ als neue, DB-interne Betriebsführung laufen soll.

    Weiterlesen

  • Einführung der EVU-Schnittstelle für das neue Bestellsystem auf 2024 verschoben

    Die TAF/TAP TSI-konforme Schnittstelle für das neue Bestellsystem von Zugtrassen wird für das Jahr 2024 angekündigt. Das bedeutet mittlerweile eine Verschiebung um vier Jahre.

    Weiterlesen

  • Kund:innenveranstaltung der DB Netz zur Umsetzung und Einführung

    Die DB Netz AG informiert ihre Kund:innen am 22. Juli 2019 über den konkreten zeitlichen Ablauf der Einführung der einzelnen Applikationen von TAF/TAP TSI, die unter dem Namen „PRISMA“ als neue, DB-interne Betriebsführung laufen soll.

    Weiterlesen

  • Ankündigung: Ab dem Fahrplanwechsel 2023/2024 kann TAF/TAP TSI genutzt werden

    Die DB Netz AG kündigt in ihrer Kund:inneninformation (vgl. Abb. TAF/TSI 03/04) die vollständige Umsetzung der EU-Verordnungen für den Güter- und Personenverkehr zum Fahrplanwechsel 2023/2024 an.

    Weiterlesen

  • Einführung der Schnittstelle um mindestens ein Jahr verschoben

    Die DB Netz AG verkündet, dass es nicht mehr zur geplanten Einführung der neuen Schnittstelle für das Fahrplanjahr 2018 kommen wird. In einer dazugehörigen Kund:inneninformation bleibt die DB Netz jedoch vage, was die genauen Gründe für die Verschiebung betrifft.

    Weiterlesen

  • Grundlagen für TAF/TAP TSI: Die DB Netz muss aktiv werden

    Nachdem die Europäische Kommission im Mai 2011 eine Verordnung für „Telematikanwendungen für den Personenverkehr“ erlassen hat, legte sie heute das Pendant für den Schienengüterverkehr nach. Beide Verordnungen bilden die rechtliche Grundlage für die Digitalisierung und Harmonisierung des nationalen und europäischen Zugbetriebs.

    Weiterlesen

  • Ankündigung: Einführung der neuen EVU-Schnittstelle 2018

    Die TAF/TAP TSI-Verordnungen verlangen die Einführung einer neuen Kommunikationsschnittstelle. DB Netz will die Schnittstelle bis 2016 entwickeln und spätestens im Fahrplanjahr 2018 aktiv nutzen.

    Weiterlesen