Korridorsanierung Hamburg – Berlin: Nach der Nachspielzeit kommt nun die Verlängerung?


Auf dem Korridor Hamburg – Berlin kehrt keine Ruhe ein. Die vollständige Inbetriebnahme der Leit- und Sicherungstechnik verzögert sich wohl noch weiter. Im März erst gab die InfraGO bekannt, dass die für den 01. Mai geplante Wiederinbetriebnahmen der Strecke nicht zu halten sei. Winterbedingungen und Probleme mit der Montage der Leit- und Sicherungstechnik wurden als Grund genannt. Als neues Inbetriebnahmedatum wurde der 14. Juni verkündet. Die Folgen für den Eisenbahnverkehr in Norddeutschland haben wir hier dargestellt.

Über die Probleme mit der Leit- und Sicherungstechnik wurde zwischenzeitlich viel spekuliert. Nun meldete sich Dr. Philipp Nagl selbst über das Forum Drehscheibe zu Wort. Am 14. Juni sei es noch nicht möglich, auf der gesamten Strecke die Linienförmige Zugbeeinflussung (LZB) wieder in Betrieb zu nehmen. Vor allem die neu errichteten Stellwerke führen wohl zu weiteren Verzögerungen. Auf Anfrage teilte die InfraGO mit, dass auf den Streckenabschnitten vor Hamburg und Berlin Stellwerkstechnik noch nicht in Betrieb genommen werden kann. Konkret heißt das, dass die auf der Strecke zuvor gewohnte Maximalgeschwindigkeit von 230 km/h zunächst nur zwischen Büchen und Neustadt (Dosse) erreicht werden wird. Ansonsten muss wohl auf die ältere Technik der Punktförmigen Zugbeeinflussung (PZB) zurückgegriffen werden, was eine Maximalgeschwindigkeit von nur 160 km/h ermöglicht. Nach zehneinhalb Monaten Totalsperrung und Kosten von mindestens 2,2 Milliarden Euro wird die Strecke also zunächst erstmal langsamer sein als vorher.

Die InfraGO teilte mit, dass die vollständige Inbetriebnahme der LZB auf ganzer Strecke „in den Wochen nach dem Start“ am 14. Juni erfolgen soll. Dafür müssen wir erneut mit Sperrungen rechnen. Erst danach sind wieder durchgehend 230 km/h möglich. Die verringerte Maximalgeschwindigkeit wird man laut InfraGO bis dahin kaum merken.

Das Grundversprechen des Prinzips Korridorsanierung, wonach große Einschränkungen (Totalsperrung) auch große Vorteile (Bautempo, Effizienzgewinne, anschließende Baufreiheit) mit sich bringen, gerät weiter unter Druck. Zumal auf den ursprünglich geplanten Einbau der Leit- und Sicherungstechnik ETCS anstelle der nun verzögerten LZB aus Zeit- und Kostengründen verzichtet wurde. Eine Nachrüstung ist erst in den 2030er Jahren vorgesehen – inklusive neuer Sperrpausen.


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