Riedbahn Live-Ticker

Schnelle Infos zum Baufortschritt auf der Riedbahn

Was passiert beim Riedbahn-Live-Ticker?

Die Riedbahn wird das erste Projekt im Zuge der 41 Korridorsanierungen, die die Deutsche Bahn bis 2030 umsetzen möchte. Auf dieser Seite informieren wir live zum Baufortschritt und zu Unregelmäßigkeiten, die den betrieblichen Ablauf von EVU behindern.

Wir konzentrieren uns dabei unter anderem auf Abweichungen von angekündigten Baumaßnahmen durch die DB InfraGO, auf Fahrplanänderungen und weitere Erschwernisse im betrieblichen Ablauf bedingt durch die Sanierung des Korridors.


+++ Sonntag, 21. Juli 2024: Trotz der Hitze im Rhein-Main-Gebiet wird auf der Riedbahn fleißig gearbeitet – auch am Sonntag! Das ist auch dringend notwendig, um die Vielzahl der geplanten Maßnahmen umzusetzen, denn eines der Kernargumente für die Korridorsanierung der InfraGO ist es, innerhalb von fünf Monaten die angekündigten Maßnahmen pünktlich bis zum 15. Dezember umzusetzen. +++

+++ Freitag, 19. Juli 2024: Zwar waren die ersten Tage der Riedbahnsperrung erfreulich ruhig, doch jetzt schwächeln die Strecken rund um die Riedbahn erstmalig und die Situation auf den Umleitungsstrecken ist angespannt! Eine Signalstörung in Ludwigshafen-Oggersheim sorgte auf einem der Hauptumleiter, der Ludwigsbahn, für Verzögerungen, woraus sich Rückstaueffekte ergaben. In der Nacht sorgt das Stellwerk Rauschwald (bei Hanau) regelmäßig für Probleme. Dieses ist aufgrund fehlenden Personals zwischen 21 Uhr und 5 Uhr bis mindestens zum 31. Juli nicht besetzt und erschwert den Zulauf auf die östliche Umleiterstrecke (Main-Neckar-Bahn) der Riedbahn. Gegenmaßnahmen sind nicht bekannt. +++

+++ Mittwoch, 17. Juli 2024: Seit Dienstagnacht ist die Riedbahn vollständig gesperrt. Bisher läuft der Verkehr auf den Umleiterstrecken relativ stabil (Stand 17.07.2024). Die zusätzliche Fahrzeit beträgt ca. 30 Minuten, ist aber aufgrund von Problemen auf den Zu- bzw. Ablaufstrecken schwer zu beziffern. Auf der Rheinstrecke kam es aufgrund einer Kabelbeschädigung und der Entschärfung einer Fliegerbombe zu einer zweistündigen Unterbrechung des Betriebsablaufs. Gleichzeitig kam es auf der Strecke in Richtung Basel zu Störungen aufgrund von Oberleitungsschäden. +++

+++ Montag, 15. Juli 2024: Die Riedbahn-Sanierung beginnt und der Konzernbevollmächtigte für Gemeinwohlorientierte Schieneninfrastruktur bei der DB, Tobias Heinemann, hat zu unserem Riedbahn Live-Ticker ein Statement abgegeben: Zum Statement +++

+++ Donnerstag, 11. Juli 2024: In wenigen Tagen startet die fünfmonatige Sanierung der Riedbahn. Wird die DB InfraGO ihre Versprechen einhalten können? DB-Watch schaut genauer hin! Ab sofort finden Sie hier und auf unseren Social-Media-Kanälen regelmäßige Liveupdates zur betrieblichen Lage, Baufortschritt und weitere Updates zur Sanierung einer der wichtigsten Strecken in Deutschland. +++

Hintergründe und Ziele der Riedbahn-Sanierung

Stand: 15. Juli 2024

Was passiert während der Riedbahn-Sanierung und wieso ist sie nötig?

Die Riedbahn läutet den Start der Sanierung von 41 Korridoren bis 2030 ein. Die rund 74 Kilometer lange Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim ist eines der Nadelöhre im deutschen Schienennetz und gilt als eine der am höchsten belasteten Strecken. Über 300 Züge des Nah-, Fern- und Güterverkehrs nutzen sie täglich. Gleichzeitig befindet sie sich in einem desolaten Zustand und kann das heutige Verkehrsaufkommen kaum bewältigen. Um die benötigten Kapazitäten zu schaffen, diskutieren Bund, Länder und DB seit 30 Jahren über eine Neubaustrecke. Die Planungen dafür gerieten immer wieder ins Stocken. Gebaut wurde bisher noch nichts. Statt eines Neubaus wird nun saniert.  

Auf der Riedbahn sollen in nur fünf Monaten möglichst viele Sanierungsmaßnahmen gebündelt werden (und die Strecke nicht wie bisher üblich nur auf einem Gleis gesperrt werden, während weiter Züge auf dem anderen Gleis fahren können).

Bestätigt wird die schlechte Infrastruktur auf der Strecke durch die DB InfraGO selbst: die aktuelle Zustandsnote, die sie sich gibt, liebt bei 3,45 (von 5). Teilweise sind Bestandteile mehrere Jahrzehnte alt. Die DB plant eine Vielzahl von Maßnahmen an allen Bestandteilen, die mit einer Zustandsnote von 4 oder schlechter bewertet sind, um die durchschnittliche Zustandsnote der Strecke auf 2,05 zu heben:

  • 117 km Gleise
  • 152 Weichen
  • 1.200 Elemente der Leit- und Sicherungstechnik
  • 70 km Fahrdraht
  • 20 Bahnhöfe
  • 4 Bahnübergänge

Mit einer nie dagewesenen Anzahl an Baumaschinen, Bauarbeiter:innen und einem Blankoscheck für sämtliche Kosten verspricht sich die DB ein viermal höheres Bauvolumen als beim bisherigen „Bauen unterm rollenden Rad“. Doch schon jetzt ist bekannt, dass nicht alles wie angekündigt saniert werden kann. Wichtige europäische Standards wie ETCS werden verschoben und nicht alle Bahnübergänge werden saniert, da das Planrecht zu spät beantragt wurde.

Welche Auswirkungen gibt es während der Sperrung?

Das neue Prinzip ist dennoch nachvollziehbar, denn viel Zeit bleibt der DB nach jahrzehntelangem Verschleiß der Infrastruktur nicht. Der Haken aber ist offensichtlich: Züge können während der Zeit nicht fahren und müssen umgeleitet werden. Güter- und Fernverkehrszüge müssen über Nebenstrecken umgeleitet werden, wodurch mit Fahrzeitverlängerungen und Zusatzkilometern (aka. höheren Kosten für die Unternehmen) zu rechnen ist. Regionalzüge fallen komplett aus und Fahrgäste müssen auf den Schienenersatzverkehr ausweichen.

Jedoch: Im Falle der Riedbahn sind die Umleitungsstrecken ideal gelegen. Mit der Main-Neckar-Bahn im Osten und der Ludwigsbahn im Westen gibt es zwei verhältnismäßig gut ausgebaute Strecken, die nur wenige Kilometer entfernt voneinander fast parallel zur Riedbahn verlaufen. Fast alle Güterzüge und rund zwei Drittel der Fernverkehrszüge dürften umgeleitet werden können. Doch das Umleitungskonzept ist fragil – fällt nur eine der beiden Strecken aus, bricht das ganze Konstrukt zusammen. Gibt es während der Sanierung ein Problem, werden die Auswirkungen in ganz Deutschland, teilweise auch in Europa, zu spüren sein.

Was folgt nach der Riedbahn-Sanierung?

Fazit: Die Sanierung der Riedbahn ist eine Generalprobe unter idealen Bedingungen. Alle Baukapazitäten fokussieren sich auf einen Korridor. Größere Herausforderungen, bei denen sich das Baukonzept beweisen muss, stehen in den kommenden Jahren an. Der für 2025 vorgesehene Korridor Hamburg – Berlin ist über 260 Kilometer lang. Umwege von bis zu 160 Kilometern und Fahrzeitverlängerungen von bis zu drei Stunden drohen dem Schienengüterverkehr hier. Ob die in Deutschland vorhandenen Kapazitäten der Bauindustrie ausreichen werden, wenn 2027 acht Korridore saniert werden, sieht der Hauptverband der Bauindustrie kritisch.

Was kostet das alles?

Wie bei fast allen Großprojekten dieser Art stellt sich auch bei der Korridorsanierung die Frage, ob das Geld ausreicht. Vergangenes Jahr versprach der Bund über 40 Milliarden Euro zusätzlich für die Schieneninfrastruktur – auf rund 27 Milliarden Euro kam er letztlich. Gleichzeitig stiegen bei der Riedbahn die Kosten sukzessive von ursprünglich 500 Millionen auf 1,3 Milliarden Euro.

Die betroffenen Unternehmen, die für die schlechte Infrastruktursituation keine Schuld tragen, haben natürlich auch Mehrkosten: Züge, Personal und Energie für längere Strecken kosten Geld, genauso verkürzte oder ausfallende Züge. Eine Brancheninitiative aus Verbänden und EVU hat errechnet, dass im Güterverkehr mit 236 Millionen Euro mehr pro Jahr zu rechnen ist. Auf alle 41 Korridore rechnet der Verband DIE GÜTERBAHNEN mit mehr als 1,5 Milliarden Euro Mehrkosten.

Infor­mationen für die Redaktion

Sie haben einen Hinweis an unsere Redaktion oder möchten Kontakt aufnehmen?
Dann schreiben Sie uns gerne über das Kontaktformular und wir kümmern uns schnellstmöglich darum. Vielen Dank.